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Dr. Arnold Kammel, Direktor des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES), analysierte beim bis auf den letzten Platz besetzten Mittagstisch am Freitag, dem 20. November 2015, den Ostukraine-Konflikt – und damit einhergehend das Verhältnis Europa-Russland.

„Das Problem der Europäer ist, dass sie nicht fähig sind ihre Interessen zu definieren.“ Ein Interesse müsse aber sicherlich sein, sich Russland als Partner am Kontinent zu erhalten.

Zwar ist aber Vladimir Putin in Kammels Augen ein genialer Taktiker – jedoch kein guter Stratege: Die Annexion der Krim war zwar eine taktische Glanzleistung, doch fehlt offenbar die Strategie, wie man das Gebiet wirtschaftlich aus der Depression holt, und wie man den Westen nach seiner Überrumpelung völkerrechtlich zur Anerkennung bewegt. Auch erkennt Kammel bereits Tendenzen, dass die pro-russische Stimmung auf der Krim allmählich kippt oder zumindest erodiert. Und ein ähnliches Manko strategischer Planung von russischer Seite zeichnet sich in der Ostukraine ab.

Kammel erinnerte daran, dass die mittelosteuropäischen EU-Mitgliedstaaten spezielle historische Erfahrungen mit Russland haben, die sie nicht noch einmal erleben wollen. Daher ist hier die Interessenlage auch oft anders als in Mittelwesteuropa. Aus derzeitiger Sicht ist kaum denkbar, dass Russland sich wieder aus der Ostukraine zurückzieht, oder dass Europa den aktuellen Status schlichtweg anerkennt. Mittelfristig ist es notwendig, alles Menschenmögliche zu tun, dass der Konflikt nicht eskaliert. Das vorläufig Vernünftigste für beide Seiten wäre ein „frozen conflict“, sodass man sich gemeinsam auf die Probleme im Nahen Osten konzentrieren kann.

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An dieser Stelle erinnerte Obmann Thomas Kath daran, dass Arnold Kammel bereits eine umfassende Syrien-Analyse für die Nova EUropa-Klausur am 8./9. Jänner 2016 vorbereitet.